Du stehst am Steuer einer kleinen Yacht, während die Wellen erbarmungslos gegen das Boot schlagen und ein heftiger Sturm die Sicht nimmt. WILL: Follow The Light wirft dich direkt ins kalte Wasser, ohne dir zu erklären, warum du überhaupt in dieses Unwetter geraten bist. Das Spiel zeigt dir nur die grundlegenden Handgriffe, um diesen Überlebenskampf in der rauen See irgendwie zu überstehen. Dieser Einstieg ist ein absolutes Highlight, weil er sofort eine enorme Spannung und Orientierungslosigkeit aufbaut. Die dichte Atmosphäre legt ein fantastisches Fundament für eine emotionale Geschichte, die dich durch Flashbacks und Halluzinationen tiefer in die Psyche des Protagonisten Will ziehen möchte. Doch leider hält dieser Zustand nicht lange an, denn das Spiel bricht dieses fesselnde Gefühl viel zu schnell wieder ab.

Die schmerzhafte Suche im Nebel
Nach dem packenden Intro wartest du vergeblich auf die Fortsetzung dieses Nervenkitzels. Das Spiel schickt dich stattdessen für eine gefühlte Ewigkeit zu einem Leuchtturm, wo du alltägliche Routineaufgaben erledigen musst. Erst danach erfährst du den eigentlichen Grund für Wills gefährliche Reise. Du begleitest den traumatisierten Mann auf einer hochemotionalen Suche nach seinem Sohn und seinem Vater, die nach einem verheerenden Sturm spurlos verschwunden sind. Die Entwickler wollten hier ganz offensichtlich die isolierten Leben von Menschen beleuchten, die wir im Alltag kaum wahrnehmen. Diese emotionale Achterbahnfahrt verliert aber immer wieder an Fahrt, weil das Spiel die mühsam aufgebaute Spannung sterben lässt. Das Abenteuer verweilt viel zu lange in der Vergangenheit und verpasst die Chance, dynamisch zwischen dem harten Überlebenskampf auf dem Meer und den tragischen Rückblenden hin und her zu springen.

WILL: Follow the Light: Zwischen fesselndem Wellengang und fieser Routine
Im Kern erwartet dich ein klassischer Walking-Simulator, der dich mit einer Mischung aus Erkundung und Rätseln konfrontiert. Als Leuchtturmwärter liest du fleißig Wetterinstrumente ab und gibst die Daten per Funk an deine Kollegen weiter. Wenn du die Einsamkeit einer einsamen Insel oder das pure Segelgefühl hautnah erleben willst, bietet das Spiel dir hier eine fantastische Immersion. Die integrierten Puzzlespiele entpuppen sich allerdings schnell als viel zu simpel, obwohl sie anfangs recht knackig aussehen. Richtig nervig werden die extrem unsauberen Kapitelübergänge. Will schläft ständig ein oder blickt in einen plumpen Fade-out, um plötzlich in einer völlig neuen Situation aufzuwachen. Dadurch verlierst du komplett den Faden und kannst kaum noch unterscheiden, ob die Erlebnisse real sind oder sich nur in Wills Kopf abspielen.

Wenn das Gameplay deine Geduld testet
Das Spiel möchte einfach zu viele Dinge auf einmal sein, denn es vermischt Familiendrama, psychologischen Stress, Rätsel und lehrreiche Simulationselemente. Für diese riesigen Ambitionen fehlt dem Titel an vielen Ecken das nötige spielerische Grundgerüst. Du kämpfst während der Erkundung ununterbrochen mit einer hakeligen Steuerung und einem unrunden Spielfluss. Das bloße Bewegen durch die Areale fühlt sich unglaublich hölzern an, und das monotone Verschieben von Kisten oder Bedienen von Maschinen raubt dir den letzten Nerv. Zu allem Überfluss veralbert dich das Spiel bei deiner absoluten Lieblingsbeschäftigung. Das wunderschöne Segeln auf dem offenen Meer ist der mit Abstand beste Part des Spiels, doch das System bietet dir ausgerechnet hier eine Option an, mit der du die kompletten Bootsfahrten einfach überspringen kannst.

Fazit zu WILL: Follow the Light
WILL: Follow The Light lässt dich am Ende mit gemischten Gefühlen am Ufer zurück. Das Abenteuer glänzt mit einer wunderschönen Spielwelt, fantastischen Wettereffekten und einem phänomenalen Soundtrack, der die Liebe der Entwickler zu ihrer Geschichte in jeder Note spürbar macht. Wenn du eine Schwäche für entschleunigte, tiefgründige Puzzle-Abenteuer hast, kann dir dieser Double-A-Titel durchaus ein paar schöne Stunden bescheren. Wer allerdings ein rundes Gameplay-Paket erwartet, stolpert unweigerlich über das zähe Pacing und die steifen Interaktionen. Es bleibt das frustrierende Gefühl, dass ein wesentlich besseres Spiel unter der unruhigen Oberfläche schlummert, das dich aber zu oft mit seinen eigenen Mechaniken alleine lässt.
Vielen Dank an die Entwickler für die Zusendung des Reviewcodes.
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