Wir schreiben das Jahr 1993. Der PC steckt noch in den Kinderschuhen und genau in dieser Zeit erscheint mit The 7th Guest ein echtes Mega-Game. Das Spiel begeistert Massen von Spielern und bricht technische Rekorde, obwohl das eigentliche Spieldesign stark hinter der Inszenierung zurückbleibt.
Im Oktober 2023 spendieren das Studio Exkee und der Publisher Vertigo Games dem Klassiker ein modernes VR-Remake. Dieses verbindet die alte Gruselstimmung mit schicker Unreal-Engine-Grafik und erntet viel Lob. Nun feiert genau diese Version ihre Rückkehr in einer klassischen Variante für den Flatscreen. Ich habe mich ohne VR-Brille in das unheimliche Anwesen gewagt und verrate dir, ob der Rätselspaß auch auf dem Monitor zündet. Bonus: Die VR-Version erhältst du beim Kauf trotzdem dazu!

The 7th Guest: Der Pakt mit dem Spielzeugmacher
Die Prämisse des Remakes bleibt dem Original treu. Der verrückte Spielzeugmacher Henry Stauf lädt sechs Gäste in sein monumentales, düsteres Anwesen ein. Er verspricht den Besuchern die Erfüllung all ihrer Herzenswünsche, sofern sie seine knackigen Rätsel lösen. Schnell merkst du jedoch, dass diese Einladung in Wahrheit ein finsterer Pakt mit dem Teufel ist.
Du selbst schlüpfst in die Rolle eines neuen Besuchers. Du erkundest die verlassenen Räume und versuchst herauszufinden, welches Schicksal die ursprünglichen Gäste ereilt hat. Gleichzeitig jagst du dem Geheimnis des mysteriösen siebten Gastes hinterher, dessen Name immer wieder in den Raum geworfen wird. Die Geschichte entfaltet sich Stück für Stück, während du dich tiefer in das Gemäuer hineinwägst.

Gameplay: Hirnschmalz statt roher Gewalt
Staufs Villa bietet dir mehr als 20 Räume, die du nach und nach freischaltest. Du solltest jedes Zimmer wie einen in sich geschlossenen Escape Room betrachten. Du kannst einen Raum zwar jederzeit wieder verlassen, aber er gilt erst als gelöst, wenn du alle Geheimnisse gelüftet hast. Nur so erfährst du mehr über die Beziehungen der Charaktere untereinander.
Die Entwickler haben die meisten Rätsel komplett neu erschaffen, obwohl einige Aufgaben lose auf dem Original basieren. Dadurch verbringst du glücklicherweise weniger Zeit vor eintönigen Schachbrettern. Auch unfaire Logikfehler des Originals gehören der Vergangenheit an. Trotzdem verlangt das Spiel dir einiges ab. Du brauchst Konzentration, logisches Denken und reichlich Geduld, da dich Brute-Force-Versuche selten ans Ziel bringen. Ein dickes Frustfell ist also eine wichtige Voraussetzung.
Wenn du mal feststeckst, hilft dir die Geisterlampe beim Entdecken von Hinweisen. Zudem nutzt du das jederzeit aufrufbare Geisterbrett für konkrete Tipps. Im absoluten Notfall investierst du überall herumliegende Staufmünzen, um ein Puzzle komplett automatisch zu überspringen. Das ist eine faire Hilfe, auch wenn die kompakten Räume meistens genug logische Ansätze bieten. Die Steuerung funktioniert dabei absolut reibungslos.

Volumetrische Geister und atmosphärischer Jazz
Das Remake verabschiedet sich von der vorgerenderten Grafik der Neunziger und setzt voll auf die moderne Unreal-Engine. Das sorgt für schicke Umgebungen und tolle Lichteffekte. Das absolute Highlight ist jedoch das sogenannte „Volumetric Video“. Die Entwickler haben echte Schauspieler gefilmt und diese Aufnahmen in detaillierte 3D-Modelle umgewandelt. Die Geister bewegen sich dadurch absolut lebensecht und spektakulär durch die Räume.
Der Soundtrack von Jonathan van den Wijngaarden untermalt das Geschehen perfekt. Er nutzt die bekannten Motive des Originals, mischt sie aber mit grandiosen, jazzig-gruseligen Eigenkompositionen. Diese exzellente Mischung begleitet dich meisterhaft bei deinen Knobeleien. Dazu gesellt sich eine hervorragende englische Sprachausgabe.

Fazit zu The 7th Guest Remake: Ein unerwartet gutes Gruselerlebnis
Das originale The 7th Guest war 1993 zwar eine technische Sensation, spielerisch aber eigentlich kein gutes Spiel. Umso überraschender ist es, dass das Remake auf dem Monitor so viel Spaß macht. Das Gesamtpaket ist dank der faszinierenden 3D-Schauspieler extrem reizvoll und fesselnd. Die Entwickler haben das ehemals reine VR-Erlebnis hervorragend an die klassische Steuerung angepasst. Wenn du dir beim Spielen gerne viel Zeit lässt und knifflige Logiktests magst, dann bist du in Henry Staufs Gruselvilla bestens aufgehoben.
Vielen Dank an PLAION für die Zusendung des Reviewcodes.
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