Bungie ist zurück und wagt mit Marathon einen mutigen Schritt in ein neues Genre. Seit der ersten Ankündigung gibt es extrem viel Hate und Diskussionen um das Game. Die einen wünschen sich die glorreichen Halo-Tage zurück, die anderen sind skeptisch, ob ein Extraction-Shooter wirklich das ist, was wir von Bungie sehen wollen. Fest steht: Marathon ist kein kurzer Sprint, sondern ein tiefgängiges Abenteuer, das erst so richtig zündet, wenn du tief in die Mechaniken eintauchst. Aber kann das Game den hohen Erwartungen gerecht werden und ist es die knapp 40€ wert? Das finden wir jetzt gemeinsam in unserem ausführlichen Test heraus.

Ein düsteres Erbe in den Sternen
Es herrscht seit genau 100 Jahren Funkstille um die UESC Marathon, ein Kolonieschiff, das einst Kurs auf den Planeten Tau Ceti IV nahm. Doch plötzlich empfangen die Menschen ein mysteriöses Notsignal, das die gierigen Mega-Konzerne sofort auf den Plan ruft. Du bist in dieser Welt ein Runner. Dein Bewusstsein wird in eine synthetische Hülle, genannt Runner-Shell, hochgeladen, damit du im Auftrag deiner Arbeitgeber alles bergen kannst, was nicht niet- und nagelfest ist. Du versuchst dabei verzweifelt herauszufinden, was mit der verlorenen Kolonie passiert ist.
Bungie verzichtet zwar auf eine klassische Singleplayer-Kampagne, was im Vorfeld für viel Kritik gesorgt hat, doch die Story steckt trotzdem tief im Spiel. Du findest die Lore überall in den Maps, liest spannende Codex-Einträge oder lauschst den Dialogen der Faction-KIs. Jeder Destiny-Fan weiß, wie gut Bungie düstere Sci-Fi-Welten entwerfen kann und Marathon steht dem in nichts nach. Es ist eine Welt, die dich sofort in ihren Bann zieht, wenn du bereit bist, die Puzzleteile der Erzählung selbst zusammenzusetzen. Die Atmosphäre auf Tau Ceti IV ist bedrückend, geheimnisvoll und absolut einzigartig.

Der gnadenlose Kreislauf auf Tau Ceti IV
Das Gameplay von Marathon ist ein klassischer Extraction-Shooter, aber mit dem typischen Bungie-Polishing. Du startest auf einer der aktuell vier verfügbaren Maps und dein Ziel ist klar: Sammle Vorräte, erledige Aufträge für deine Fraktion und schaffe es lebend zum Extraction-Point. Der Haken an der Sache ist das Risiko, denn wenn du im Einsatz stirbst, ist deine gesamte Beute weg. Nur wenn du es sicher zurückschaffst, kannst du deinen Runner für den nächsten Run mit besserem Equipment ausstatten.
Die Karten selbst sind fantastisch designt und stecken voller Geheimnisse, versteckter Lüftungsschächte und unterirdischer Tunnel. Selbst nach dutzenden Stunden wirst du noch neue Räume entdecken, für die du erst mühsam die passenden Schlüssel finden musst. Die Maps fühlen sich sehr kompakt und durchdacht an, sodass du keine Zeit mit langem Herumlaufen verschwendest. Du bist ständig in Action, was den Puls dauerhaft oben hält. Marathon ist dabei deutlich härter als viele andere Shooter auf dem Markt. Die TTK, also Time to Kill, ist extrem kurz, was bedeutet, dass dich andere Spieler oder die KI jederzeit mit wenigen Treffern ausschalten können. Du musst also ständig den Kopf bewegen und deine Umgebung genau in Auge und Ohr behalten.

Taktik und technisches Build-Crafting in Marathon
Ein großer Teil des Reizes macht das komplexe Loadout-Crafting aus, das Marathon von der Konkurrenz abhebt. Du wählst zwischen verschiedenen Runner-Shells, die quasi wie Heroes mit eigenen passiven und aktiven Fähigkeiten funktionieren. Der Assassin kann sich beispielsweise unsichtbar machen, während der Thief einen Greifhaken nutzt, um sich strategische Vorteile in der Höhe zu verschaffen. Diese Shells kannst du durch sogenannte Cores weiter verstärken. Ein Core verlängert zum Beispiel die Dauer deiner Unsichtbarkeit oder erhöht deine Ausdauer. Mein Favorit ist dabei der Assassin, da die Unsichtbarkeit im richtigen Moment eingesetzt, auch solo komplette Trios auslöschen kann und wirklich richtig stark ist. Gepaart mit dem Triage (dem Heiler) im Team ist man so auch zu zweit schon richtig gut ausgestattet.
Zusätzlich gibt es Implantate, die dir permanente Buffs wie eine schnellere Schildregeneration verleihen. Auch deine Waffen kannst du massiv modifizieren. Du erhöhst die Magazingröße, verbesserst die Stabilität oder schraubst an der Reichweite. Besonders cool ist, dass du eine schwache Waffe durch diese Mods zu einem echten High-Tier-Gerät aufwerten kannst. Es gibt keine “Götter-Waffen”, sondern nur die Ausrüstung, die du selbst über viele Runs hinweg perfektioniert hast. Nun denkst du vielleicht, dass man so die starken Waffen oder Rucksäcke nicht gerne einsetzen will, da du diese beim Tod sofort wieder verlierst. Dadurch, dass man aber einen begrenzten Tresor hat und es auch nicht lange dauert, wieder starke Waffen zu bekommen, gibt es tatsächlich kein „Gear Fear“!

Die KI und das gnadenlose Endgame
Die Feinde in Marathon sind keine dummen Bullet-Spinges. Die KI agiert extrem schlau, schlägt hart zu und erfordert echtes taktisches Vorgehen. Bungie vergleicht die Schwierigkeit der KI-Kämpfe mit den legendären Kampagnen von Destiny 2. Du musst als Team perfekt kooperieren, um eine Chance zu haben. Wenn du lieber alleine unterwegs bist, gibt es spezielle Solo-Lobbys und dafür eine eigene Rook-Klasse, die dich vor Robotern tarnt. Solo-Runs fühlen sich fast wie ein Horrorspiel an, wenn du leise durch die Gänge schleichst und auf jedes Geräusch achtest.
Für die Profis gibt es das Cryo Archive, eine Art Raid-Map, die erst nach dem Launch hinzugefügt wurde. Hier triffst du auf brutale Bosse, komplexe Rätsel und Labyrinthe. Um dort überhaupt antreten zu dürfen, musst du Level 25 erreichen und eine recht teure Ausrüstung mitbringen. Das Cryo Archive ist zudem nur an Wochenenden verfügbar, ähnlich wie die Trials in Destiny. Es ist der ultimative Test für deinen Skill und dein Build. Wer hier überlebt, darf sich zur absoluten Elite der Runner zählen.

Grafik-Referenz und PS5 Pro Power
Optisch ist Marathon ein absolutes Brett. Bungie setzt nicht auf das typische Grau-in-Grau anderer Militär-Shooter, sondern auf einen extrem lebendigen und einzigartigen Grafikstil. Auf der Standard-PS5 läuft das Spiel mit butterweichen 60 FPS ohne jegliche Ruckler. Wenn du allerdings eine PS5 Pro besitzt, zündet Marathon den Turbo. Dank des KI-gestützten Upscalings PSSR sieht die Welt auf der Pro-Konsole noch einmal deutlich schärfer und detaillierter aus.
Auch der Sound und die haptischen Features des DualSense-Controllers sind Weltklasse. Jede Waffe fühlt sich anders an und du spürst den Rückstoß und das Abfeuern direkt in deinen Händen. Die Menüs, die Ladebildschirme und der Soundtrack verschmelzen zu einem audiovisuellen Gesamtkunstwerk. Bungie liefert hier technisch eines der saubersten und beeindruckendsten Spiele der aktuellen Konsolen-Generation ab.

Fazit zu Marathon: Ein Marathon, kein Sprint
Marathon ist kein Spiel, das dich sofort mit schnellen Erfolgserlebnissen überschüttet. Es hat eine steile Lernkurve und kann am Anfang sehr frustrierend sein. Doch je mehr Zeit du investierst, desto mehr gibt dir das Spiel zurück. Das Gunplay ist das Beste, was du aktuell auf der PS5 finden kannst und die Tiefe des Build-Craftings sucht ihresgleichen. Bungie hat hier etwas ganz Besonderes geschaffen, das sich deutlich von der Konkurrenz abhebt. Wenn du auf taktische Extraction-Shooter mit Tiefgang stehst, kommst du an Marathon nicht vorbei.
Vielen Dank an Bungie für die Zusendung der Reviewcodes.
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