Du suchst nach dem wohligen Grusel der alten Tage und sehnst dich nach dem unvergleichlichen Vibe von Survival-Horror-Klassikern? Dann stolperst du im Store vielleicht über Ebola Village, das sich förmlich an dich heranschmeißt. Entwickelt von indie_games_studio, entpuppt sich dieser Titel schnell als eine Ein-Mann-Show, die leider völlig danebengreift. Das Spiel versucht krampfhaft, das spezielle Capcom-Gefühl auf deinen Monitor zu zaubern. Doch anstatt chirurgischer Präzision erwartet dich hier ein Schlag mit dem Vorschlaghammer. Es ist ein trashiger Klon von Resident Evil, der dich mit einer ordentlichen Portion Fremdscham zurücklässt.
Du merkst in jeder einzelnen Textur, dass dieses Spiel ein Liebesbrief an die Großen des Genres sein will. Leider liest sich dieser Brief wie eine schlechte Kopie, die ihre eigene Vorlage überhaupt nicht versteht. Das Spiel dient höchstens als Negativfolie für das kommende Resident Evil Requiem.

Endzeit-Alarmismus ohne Sinn und Verstand
Die Handlung von Ebola Village wirft dich mitten in ein zähes Opening, das den Einstieg unnötig erschwert. Du schlüpfst in die Rolle der Protagonistin Maria, die sich plötzlich in einer Welt voller Chaos und einem Ebola-Ausbruch wiederfindet. Der Plot setzt dabei voll auf Endzeit-Alarmismus mit einer extremen B-Movie-Schlagseite. Du suchst Orientierung in einer Welt, die bereits zu Beginn komplett implodiert. Dabei klappert das Spiel alle bekannten Klischees ab, ohne ihnen eine eigene Note zu verleihen.
Du triffst auf vermisste Familienmitglieder, erkundest ominöse Schauplätze und betrachtest Zombies lediglich als Nebenschauplatz. Ein Vertrauter hält per Funk Kontakt zu dir, was den Rahmen zwar okay erscheinen lässt, aber die Umsetzung ist eher schlecht als recht. Die Geschichte wirkt wie eine Schablone, die ohne Leidenschaft ausgefüllt wurde. Die Logik der Welt ist nicht etwa albtraumhaft oder unheimlich, sondern schlichtweg kaputt. Du kaufst dieser Welt keine Sekunde ab, dass hier echte Spannung entstehen könnte.
Schon in den ersten Minuten beleidigt das Spiel deine Intelligenz. Maria hält eine brennende Taschenlampe in der Hand, weigert sich aber, einen Raum zu betreten, weil es dort „zu dunkel“ sei. Stattdessen schickt dich das Spiel los, um den Strom zu aktivieren, nur um dich währenddessen durch noch finsterere Gassen zu jagen. Solche erzählerischen Totalausfälle ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Abenteuer. Du leidest hier nicht mit der Protagonistin unter der Bedrohung, sondern du leidest an der hanebüchenen Konstruktion des Ganzen.

Mechaniken direkt aus der Folterkammer
Wenn du glaubst, dass immerhin das Gameplay überzeugen kann, musst du jetzt stark sein. Der Entwickler hat die klassischen Elemente wie heilende Kräuter und verzierte Schlüssel übernommen, aber die Balance dabei völlig vergessen. Das Inventarsystem fühlt sich wie ein Sadismus-Experiment an. Während Resident Evil Knappheit nutzt, um taktische Entscheidungen zu erzwingen, bietet dir Ebola Village reine Verwaltungsfolter. Das Inventar ist absurd klein und raubt dir jeden Spielfluss.
Du kannst wichtige Gegenstände nicht einfach ablegen. Willst du ein Heilkraut benutzen, musst du es erst mühsam in dein winziges Inventar aufnehmen. Das Kombinieren von Items wird zu einer umständlichen Choreografie aus Ablegen, Zurückweichen und Wiederaufheben. Das fühlt sich absolut nicht nach „Oldschool“ an, sondern nach einer mangelhaften Implementierung. Anstatt eines nervösen Knisterns spürst du nur den Ärger über ein Interface, das aktiv gegen dich arbeitet.
Auch die Progression im Spiel ist völlig unlogisch. Du stehst vor unverschlossenen Türen, die sich aber erst öffnen, wenn du eine völlig zusammenhanglose Nebenquest erledigt hast. Das Spiel nutzt hier keine klugen Puzzle, sondern eine plumpe Trigger-Kette. Du musst erst Dialog A führen, damit sich Tür B öffnet, auch wenn beide Ereignisse nichts miteinander zu tun haben. Die Mechaniken sind nicht retro, sondern sie sind verschlimmbessert worden. Du merkst an jeder Ecke, dass das Verständnis für Raumdramaturgie und Regelkonsistenz komplett fehlt.

Ebola Village: Zwischen Lichtblicken und Slapstick-Einlagen
Kommen wir zur Technik, die leider ebenfalls ein zweischneidiges Schwert ist. Die grafischen Referenzen sind so nah am Original, dass man sie kaum als Hommage bezeichnen kann. Von den Fonts über die Handschuhe bis hin zur Kettensäge wirkt alles grob abgeschrieben. Die Animationen und Cutscenes liegen so oft daneben, dass sich die vermeintliche Spannung oft in unfreiwilligen Slapstick entlädt. Zombies tauchen plötzlich aus dem Nichts auf und Cutscenes wirken seltsam beschleunigt.
Ein großes Problem ist die Lokalisierung. Untertitel wirken KI-generiert und die Vertonung ist ausschließlich auf Russisch… Doch es gibt eine Überraschung: Das Audiodesign ist streckenweise tatsächlich solide. Schüsse haben ein ordentliches Gewicht und die Umgebungsgeräusche erzeugen einen Moment lang echte Atmosphäre.
Stille wird gelegentlich richtig eingesetzt, was kurzzeitig das Gefühl eines echten Horrorspiels vermittelt. Doch leider ist guter Sound nur ein Verstärker. Da die Logik und die Tonalität permanent kippen, kann auch der beste Klang das Ruder nicht mehr herumreißen.

Fazit zu Ebola Village
Ebola Village ist am Ende ein Symptom für ein größeres Problem in den digitalen Store-Vitrinen. Es ist eine dreiste Kopie, die so tut, als hätte sie ein Recht auf die Nähe zum großen Vorbild. Die Referenzen sind nicht clever, sondern plump und der Humor wirkt oft unangenehm. Du kannst dieses Spiel eigentlich nur als Negativbeispiel nutzen, um die Qualität von echten Genre-Größen wieder richtig schätzen zu lernen. Es zeigt dir auf, wie viel Präzision ein gutes Horrorspiel wirklich erfordert.
Das Spiel versucht, den Trash-Faktor als Schild zu nutzen, doch es scheitert an der Umsetzung. Es ist Trash, der nicht befreit, sondern wehtut. Man erkennt zwar in jedem Moment, worauf die Entwickler hinauswollten, doch genau diese Erkennbarkeit macht es so anstrengend. Es ist wie ein Witz, den dir jemand fünf Sekunden zu lang erklärt und dann den ganzen Abend lang wiederholt. Wenn du dich auf Resident Evil Requiem einstimmen willst, dann tu das, aber erwarte hier keine spielerische Offenbarung.
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