Mit den beliebten Spider-Man-Abenteuern hat Insomniac Games bereits eindrucksvoll gezeigt, wie packende Superhelden-Spiele funktionieren. Nun schicken die Entwickler dich mit Marvel’s Wolverine jedoch in eine spürbar düsterere Richtung. Vergiss das unbeschwerte Netzschwingen und die lockeren Sprüche durch New Yorks Häuserschluchten. Stattdessen erwartet dich ein kompromissloses Singleplayer-Erlebnis mit harter Action im Stile moderner Hack-and-Slay-Schwergewichte. Das verdiente USK-18-Rating spiegelt sich direkt im Spielgeschehen wider. Dennoch steckt hinter den blutigen Auseinandersetzungen weit mehr als reine Schauwerte.

Ein verhängnisvoller Rettungsversuch
Du erlebst hier ausdrücklich kein klassisches X-Men-Game. Weder Professor X noch Magneto tauchen auf. Allerdings triffst du im Verlauf auf vertraute Figuren wie Jean Grey, Sabretooth oder Mystique. Im Mittelpunkt steht jedoch einzig der grummelige Antiheld Logan. Das Spiel wirft dich unvermittelt in das Geschehen hinein. Dein erstes Ziel lautet: Nathaniel Essex aus den Fängen des Mutanten-Gegners Bolivar Trask befreien. Da Essex einst Logans Leben rettete, begleichst du diese alte Schuld. Aus diesem Auftrag erwächst rasch eine explosive Bedrohung für Menschen und Mutanten gleichermaßen. Obwohl Comic-Kenner manche Wendung vorausahnen, fesselt die filmreife Inszenierung bis zum Schluss. Besonders Logans innerer Kampf mit Gedächtnislücken sowie unberechenbaren Zornesausbrüchen verleiht der Erzählung echtes Gewicht. Sowohl die deutsche als auch die englische Sprachausgabe überzeugen dabei auf ganzer Linie.

Marvel’s Wolverine: Blutiges Handgemenge mit Verschleißerscheinungen
In den actiongeladenen Gefechten entfesselst du Logans unbändige Wut. Seine Adamantium-Klauen verleihen den Auseinandersetzungen eine spürbare Wucht. Du weichst gegnerischen Hieben aus, parierst Schläge punktgenau und sprintest rasend schnell auf Fernkämpfer zu. Mit erfolgreichen Trefferkombinationen füllst du schrittweise deine dreistufige Wutleiste. Diese Leiste erlaubt dir tödliche Finisher oder rettet dein Leben bei drohenden Niederlagen. Zudem rüstest du bis zu vier aktive Spezialfähigkeiten gleichzeitig aus, um Gegnergruppen niederzuwalzen oder Logans Heilung zu verstärken.
Trotz dieses soliden Fundaments zeigen sich nach einigen Stunden klare Schwächen. Du kämpfst von der ersten bis zur letzten Minute ausschließlich mit deinen Krallen. Selbst neue Manöver und frische Gegnertypen ändern wenig daran, dass du im Grunde stets dasselbe Tastenmuster wiederholst. Außerdem ziehen sich viele Scharmützel sowie die an sich spektakulär inszenierten Bosskämpfe spürbar in die Länge, weil Widersacher schlicht zu viele Treffer einstecken. Gelegentliche Kameraprobleme bei Gegnermassen trüben den Spielspaß zusätzlich.

Schauplätze voller Details und technischer Glanz
Insomniac Games verzichtet bewusst auf eine offene Welt und setzt stattdessen auf lineare Level. Diese Entscheidung verleiht dem gesamten Ablauf ein erfreulich straffes Tempo. Abseits des Hauptwegs entdeckst du optionale Herausforderungen oder sammelst Upgrade-Materialien für neue Kostüme. Die optische Vielfalt begeistert ab der ersten Spielminute. Du streifst durch verschneite Wälder in Kanada, besuchst das zwielichtige Pflaster von Madripoor und bestaunst leuchtende Metropolen in Japan.
Auf der PS5 Pro überzeugt vor allem der Leistungsmodus. Das Spielgeschehen läuft weitgehend stabil mit 60 Bildern pro Sekunde. Gleichzeitig bereichern schicke Raytracing-Reflexionen auf nassen Straßen oder Fahrzeugen die Bildqualität. Zusätzlich glänzt der Qualitätsmodus mit erweiterten Effekten bei absolut flüssigen 40 Bildern pro Sekunde. Zudem setzt das Spiel neue Maßstäbe bei den Barrierefreiheitsoptionen, wodurch wirklich jeder Spieler das Abenteuer genießen kann.

Fazit zu Marvel’s Wolverine
Marvel’s Wolverine erweist sich als sehr gutes Actionspiel. Du erlebst packende, kompromisslose Nahkämpfe, bestaunst eine grandiose Grafik und folgst einer gut geschriebenen Geschichte. Allerdings legt das Abenteuer die Messlatte im Genre nicht weiter nach oben, was viele Fans nach Marvel’s Spider-Man 2 fest erwartet haben. Durch zu wenig Mut zu neuen spielerischen Ideen sowie die spürbar repetitiven Kämpfe schlittert der Titel letztlich knapp am Meisterwerk vorbei. Wer jedoch eine geradlinige, herrlich altmodische Comic-Achterbahnfahrt sucht, greift ohne Bedenken zu.
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